Der Krieg ist zurück in Europa

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France is at war
 Bildquelle: theguardian.com

Als ich am 11. September 2001 von der Schule nach Hause kam, wartete meine Mutter nicht wie gewohnt mit einem feinen Mittagessen auf mich. Sie sass stattdessen vor dem Fernseher, wo pausenlos Nachrichtensendungen liefen. Ich wusste, dass etwas passiert war und setzte mich dazu. Den ganzen Nachmittag sassen wir dort und verfolgten die aktuellen Berichte. Immer neue Bilder flimmerten über den Bildschirm und immer mehr wurde mir das schreckliche Ausmass dieser Gräueltaten bewusst.

WT-Center
 Bildquelle: telegraph.co.uk
Auch vorher hatte ich schon einmal von Terror gehört, aber ich wusste nicht wirklich, was es ist, und es war so weit weg. Nun drang der Terror in meine „heile“ Welt und mit einem Schlag war die ganze Unbekümmertheit vorbei. Ich wusste, dass nun vieles anders werden würde.

 

Krieg und Verwüstung mitten in Europa

Seit Paris ist der Terror nun auch in Europa präsent. Und wieder: mit einem Schlag war er da. Amerika war immer noch weit weg, aber was am Abend des 13. Novembers geschah, traf uns Europäer mitten ins Herz. Kriegsbilder mitten in der Stadt der Liebe. Verwüstung, Angst und Verzweiflung im Herzen Europas. Dieses Mal habe ich die Hergänge aus Indonesien mitverfolgt. Als ich am Abend nach Hause kam, hatten sich die schrecklichen Nachrichten wegen der Zeitverschiebung schon in allen Details über die verschiedenen Medien verbreitet.

Paris Attacks
 Bild: Keystone

Frankreich ist uns sehr nahe, viel näher als die Vereinigten Staaten. Immerhin ist es eines unserer Nachbarländer. Und deshalb betrifft uns das alles auch so sehr. Nach über 70 Jahren ist der Krieg wieder zurück ins Zentrum Europas gekommen.

Was der Mensch sät, das wird er ernten

Doch es ist kein Zufall, dass es genau Frankreich traf. Eine so gezielte und durchorganisierte Attacke kommt nicht von Ungefähr. Bereits der biblische König Salomo schreibt in seinen Sprüchen: „Wer Unrecht sät, wird Unheil ernten“. Was der Mensch sät, das wird er ernten. „Wer Krieg sät, wird Krieg ernten“, könnte man im Fall von Frankreich sagen.

Bereits im Jahr 2013 warnte der Britische EU-Parlamentarier Nigel Farage Frankreich vor einer Militärintervention gegen den Islamischen Staat.

Frankreich ist ja nicht erst seit Kurzem militärisch im Ausland engagiert. Es scheint, die Allüren der einstigen Kolonial-Grossmacht nicht aufgeben zu wollen. Dabei endete das französische Kolonialreich schon vor über fünfzig Jahren mit der Unabhängigkeit Algeriens 1962. Und dieser Unabhängigkeit ging ein jahrelanger und verheerender Krieg mit mehreren hunderttausend Toten voraus.

Auch heute ist Frankreich bei Weitem nicht die friedliche Nation, als die es gerne wahrgenommen wird (siehe z.B. https://mises.org/blog/long-history-french-military-intervention-middle-east-and-africa). Gemäss offiziellen Zahlen hat Frankreich das weltweit sechstgrösste Militärbudget, nach den USA, China, Saudi-Arabien, Russland und Grossbritannien.

Militärausgaben

Zudem ist die in den vergangenen Wochen so oft gesungene und durchwegs populäre Nationalhymne Frankreichs, die Marseillaise, eigentlich ein brutales Kriegslied (siehe Version mit Text https://youtu.be/PIQSEq6tEVs). Und Militärstützpunkte der ehemaligen Kolonialmacht bilden ein durchgängiges Netzwerk auf der Landkarte quer durch den schwarzen Kontinent.

Karte Afrika
 Bildquelle: businessinsider.com

Immerhin rund 3‘500 französische Soldaten sind in Afrika stationiert. Einen guten Überblick über die aktuellen französischen Militäroperationen in Afrika liefert die Website businessinsider.com. Weitere interessante Informationen zur “Kriegsmacht“ Frankreich bietet ein unlängst erschienener Artikel im Tagesanzeiger. Darin weisen die Autoren auch auf die Kuriosität hin, dass – trotz des grossen Spardrucks und den Budgetproblemen – Präsident Francois Hollande schon vor zwei Jahren keinerlei Konzessionen beim Armee-Budget machen wollte.

Blick über den Atlantik

Erstaunlicherweise scheinen die USA, welche jahrzehntelang das zentrale Feindbild der Jihadisten darstellten, das Problem des islamistischen Terrors mittlerweile recht gut unter Kontrolle zu haben. Die Anti-Terror Massnahmen der amerikanischen Regierung haben – so sehr sie auch kritisiert wurden – ihre Aufgaben definitiv erfüllt.

Nach dem 11. September 2001 wurden die Sicherheitsbestimmungen verschärft, sowie Kontroll- und Überwachungssysteme massiv erweitert. Dadurch kann auch erklärt werden, dass es – mit Ausnahme der Vorfälle am Boston-Marathon 2013 – seit 9/11 nicht mehr zu grösseren Terroranschlägen gekommen ist.

Europa ≠ USA

Europa hingegen ist viel anfälliger. Die Nähe zu den Konfliktherden im Nahen Osten und die offenen Grenzen laden potentielle Attentäter förmlich ein. Auch die Geheimdienste scheinen weniger gut zu funktionieren als in den USA. Dies ist jedoch auch der Gesetzeslage in Europa geschuldet, welche mehr die persönlichen Freiheiten und den Schutz des Individuums vor dem Staat ins Zentrum stellt.

Wie geht es nun weiter? Müssen in Europa, der Wiege des Liberalismus und des Humanismus, nun auch Überwachungsgesetze wie der Patriot Act in den USA durchgesetzt werden? Das käme einer Kapitulation gleich. Müssen wir bald auch bewaffnete Sicherheitsbeamte an jeder Strassenkreuzung dulden, wie dies teilweise in Israel der Fall ist? Hoffentlich nicht.

Wenn wir uns wirksam gegen zukünftige Attentate wehren wollen, müssen wir aber mit verstärkten Sicherheitsmassnahmen leben lernen. Auch verschärfte Grenzkontrollen werden unabdingbar sein. Und teilweise müssen wir wohl sogar Konzessionen im Bereich der privaten Freiheiten und der Persönlichkeitsrechte machen.

Gewalt ist keine Lösung

Auch die Armee kann ein gutes Instrument sein, um Sicherheitsfunktionen im Inland wahrzunehmen. Dass sich nun aber immer mehr europäische Staaten überlegen, in den Krieg in Syrien einzusteigen, kann keine Lösung sein. Damit wird nur noch mehr Gewalt gesät, unschuldiges Blut vergossen und Widerstand bis aufs Äusserste provoziert.

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