Musikindustrie im Sog der digitalen Revolution

Die digitale Revolution ist in vollem Gange – längst sind wir in der ‚Zukunft’ angekommen. Was im einen Moment als technologischer Meilenstein gefeiert wird, ist im nächsten Moment schon wieder überholt. Die Musikindustrie geriet als eine der ersten in den Sog der digitalen Transformation. Das Geschäftsmodell hatte mit dem neuen Umfeld stark zu kämpfen. Zwischen 1997 und heute haben sich die Umsätze beinahe halbiert. Drastische Strukturwechsel waren die Folge. Neu musste eine integrierte Strategie aus analog und digital, offline und online sowie stationär und mobil verfolgt werden.

Umsätze MusikindustrieDaten: IFPI; Grafik: Statista

Der digitale Musikmarkt wird immer wichtiger. Im Jahr 2014 wurde über digitale Kanäle das erste Mal gleich viel Umsatz erwirtschaftet, wie über physische Kanäle. Getrieben wurde dieses Wachstum vor allem durch Streaming-Dienste.

Musikindustrie nach SegmentenDaten: IFPI; Grafik: Statista

Ein kurzer Rückblick

Schwer vorstellbar, dass es gerade einmal 32 Jahre her ist, als die Compact Disc als revolutionäre Neuerung in unseren Plattenregalen Einzug hielt. Die Umstellung von Vinyl auf CD, sowie der parallele Aufschwung von Musik-TV und Musik-Videos, bescherten dem zuvor stagnierenden Musikmarkt hohe Umsatzzuwächse. Zwischen 1985 und 1995 verdreifachten sich die weltweiten Umsätze des Tonträgermarktes. Mit dem Aufkommen der ersten CD-Brenner zu Beginn der 90er Jahre, kamen erste Zweifel. Nun hatten Benutzer die Möglichkeit, Musik beinahe kostenlos zu vervielfältigen. Die Einführung des Internets aber, stellte die Musikindustrie erst recht auf die Probe. Die Sorgen wuchsen, als sich Ende der 90er Jahre Musiktauschbörsen wie beispielsweise Napster etablierten. Der kostenlose Tausch von MP3-Musikdateien über das Internet boomte.

Umsatzentwicklung deutsche MusikindustrieDaten und Grafik: BVMI

Im Jahr 2001 wurde die kostenlose Tauschbörse Napster geschlossen. Es war der erste grosse Schlag gegen illegales Teilen von Musik. In einer 2012 veröffentlichten Studie zeigte Rechtsprofessor Michel A. Carrier aber, dass die Schliessung von Napster die Entwicklungen der Musikbranche um Jahre zurückgeworfen habe. Die Musikbranche verlor laut Carrier insbesondere drei Dinge: Innovation, Risikokapital und die Erschliessung neuer Märkte.

Die neue Form des Musikkonsums – Streaming

Heute nutzen viele Musikkonsumenten Streaming-Dienste. Die Musikdateien werden nicht wie beim Download dauerhaft auf dem Computer gespeichert, sondern auf Abruf direkt im Player widergegeben. Um den Dienst nutzen zu können, muss man online sein.

Zum Musikstreaming gehören:

  • Internetradios wie Pandora oder Last.fm
  • Musikveröffentlichungsplattformen wie Soundcloud oder YouTube, die Musiker zur Bekanntmachung eigener Musik nutzen
  • Audio-on-Demand-Dienste, bei denen Nutzer aus einem bestimmten Angebot Titel mit Werbeeinblendungen abrufen können
  • Musik-Abo-Dienste, bei welchen Nutzer gegen ein pauschales Entgelt aus dem Angebot verschiedener Musik wählen können

Seit den neuen Generationen von Smartphones und verbesserten Mobilfunknetzen wurde das Streaming auch für unterwegs attraktiv. Immer mehr wird Musik über Streaming-Dienste konsumiert. Prognosen zeigen, dass in Bezug auf dieses Wachstum kein Ende in Sicht ist.

Prognose Markt für digitale MusikDaten und Grafik: Statista

Musik-Abo-Dienste wurden erst mit dem schwedischen Startup-Unternehmen Spotify erfolgreich. Dieses wurde 2008 gegründet und ermöglichte es, Musik verschiedener grosser Plattenlabels wie Sony, EMI, Warner Music Group und Universal sowie kleinerer Labels über das Internet zu hören. Die Anzahl zahlender Abonnenten von Musikstreaming-Diensten stieg in den letzten vier Jahren von 8 auf 41 Millionen. Ein eindrückliches Wachstum.

Wer bekommt wieviel?

Wirtschaftsexperten von Ernst & Young haben ausgerechnet, wie viel die einzelnen Parteien von den 9.99 Euro erhalten, die ein Premiumabo bei Diensten wie Spotify kostet.

Wer bekommt wie viel?Daten: SNEP/Ernst&Young; Grafik: eigene Darstellung

Künstler bekommen demnach von den 9.99 Euro gerade einmal 0.68 Euro. Diese werden nach Häufigkeit der Abrufe unter den Musikern aufgeteilt. Unbekanntere Bands erhalten entsprechend wenig. Einige Künstler kritisieren die kleinen Beiträge, die bei ihnen ankommen. Branchengrössen wie Taylor Swift erteilten Streaming-Diensten eine Absage, da sie mit den Bedingungen nicht einverstanden waren.

„restore the value to music by launching a service owned by artists.“

Jay Z, ging mit seinem eigenen Streamingdienst ‚Tidal – High Fidelity Music Streaming’ an die Öffentlichkeit. Tidal soll die höchsten Prozente an Musiker und Songwriter abgeben. Unter #TIDALforAll wurde der neue Streaming-Dienst von zahlreichen Künstlern in den sozialen Netzwerken beworben. Zu den „Owners of TIDAL“ gehören unter anderen Beyoncé, Rihanna, Madonna und Kanye West.

TwitterQuelle: www.bcurrentmag.com; Bild: Ben Southgate

Sind physische Tonträger ausgestorben?

Der Handel mit CD’s macht noch immer einen grossen Teil des Umsatz-Kuchens aus. Es werden jährlich aber immer weniger verkauft. Ein regelrechtes Revival verzeichnet jedoch ein anderes Medium – die Schallplatte. Seit 2007 steigen die weltweiten Umsätze deutlich. Zahlreiche Platten werden in Neuauflagen nachgepresst.

Umsätze VinylDaten: IFPI; Grafik: Statista

Natürlich kann der Verkauf von Schallplatten die sinkende Nachfrage nach physischen Tonträgern nicht aufwiegen. Trotzdem zeigt es, dass es für einige Musikkonsumenten noch immer wichtig ist, Musik physisch zu besitzen.

In Zukunft wird sich die Musikindustrie jedoch noch stärker auf den digitalen Markt konzentrieren. Vor allem die steigende Anzahl zahlender Abonnenten von Streaming-Diensten birgt viel Potential. In Deutschland ist der Umsatz der Musikindustrie in den letzten zwei Jahren wieder leicht gewachsen. Dies ist insbesondere den Musik-Abo-Diensten zu verdanken. Ob diese Streaming-Dienste in Zukunft fähig sein werden, den schrumpfenden Umsatz im physischen Musikgeschäft aufzufangen, bleibt jedoch abzuwarten.

Text: Anna Moser

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