Viel heisse Luft um nichts?

Anfang Dezember treffen sich in Paris die politischen EntscheidungsträgerInnen, um ein neues international verbindliches Klimaschutzabkommen für alle 196 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention zu vereinbaren. Ziel ist es, den Ausstoß klimaschädlicher Gase bis 2030 so zu senken, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. Die Konferenz soll ein Meilenstein in der Klimapolitik darstellen. Das Kürzel COP21 steht für grosse Hoffnungen.

Was ist COP21? Das wird in diesem Video kurz und bündig erklärt.

Der Klimawandel ist Realität

Wissenschaftler sind sich einig, dass ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur über 2 Grad Celsius, gefährliche Auswirkungen auf das Klimasystem haben wird. Nach aktuellen Hochrechnungen erwärmt sich das globale Klima unter den vorherrschenden Bedingungen derzeit mit gut 4 Grad bis Ende des Jahrhunderts. Die Folgen einer solchen Entwicklung wären verheerend für die Menschheit – Überschwemmungen, Dürren, Bergstürze, epidemische Ausbreitung von Krankheiten, Verteuerung der Lebensmittel – die Liste der potenziellen Gefahren ist lang. Das amerikanische Forschungsinstitut „Climate Central“ demonstriert anhand eines interaktiven Tools eindrücklich, wie der Klimawandel die Welt von Morgen verändert.

Optimistische Stimmung im Vorfeld- zu Recht?

Aktuell scheint eine verbindliche Einigung in Paris realistisch. Im Oktober reichten knapp 150 Nationen, einschliesslich die USA und China, individuelle Klimaziele ein.

Die Teilnahme von China ist bemerkenswert, da das Land als weltweit grösster Verursacher von Treibhausgasen gilt. Auch die USA macht deutlich, dass Klimapolitik eine zunehmend wichtige Rolle auf der politischen Agenda spielt. Obama erteilte etwa dem umstrittenen Projekt Keystone-Pipeline eine Absage.

Ebenfalls will das Klimaabkommen, welches ab 2020 das Kyoto-Protokoll ablösen soll, erstmals Schwellen- und Entwicklungsländer zur Reduzierung ihres Kohlendioxidausstosses verpflichten.Insofern hat sich also die Ausgangslage im Vergleich zu der Konferenz in Kopenhagen 2009 bereits geändert.

Die Chancen, dass Ende 2015 ein internationales Klima-Abkommen geschlossen wird, sind also deutlich gestiegen. Ein Grund zu Optimismus?

Es gibt Argumente, die Anlass zur Skepsis geben.

Erstens sind die derzeitigen beabsichtigten nationalen Beiträge nur einen ersten Schritt in die richtige Richtung. UNO-Klimachefin Christina Figueres sagte an einer Konferenz in Bonn, dass die von 146 Staaten eingereichten nationalen Klimaziele nicht ausreichen, das offizielle UNO-Ziel von 2 Grad zu erreichen. Umgerechnet ergäben die eingereichten Vorschläge eine Zunahme von 2.7 Grad.

Zweitens, sind ökonomischen Interessen vieler Staaten so eng mit Gas, Öl und Kole verbunden, dass die Abkehr von ihnen für sie zum Haushaltsrisiko wird. Daten der Weltbank, der Extractive Industries Transparency Initiative und des gemeinnützigen Natural Resource Government Institute (NRGI) zeigen, dass einige der wichtigsten internationalen Player nach wie vor grosse finanzielle Interessen an fossiler Energie haben. Das Geschäft mit diesen Ressourcen ist nach wie vor lukrativ und füllt die Staatskassen. Insbesondere die Schwellenländer, die eine entscheidende Rolle spielen im Hinblick auf das Abkommen in Paris, beziehen immer noch einen Grossteil ihrer Staatseinkommen aus den Erträgen fossiler Brennstoffe.

Weiter stellt sich die Frage, ob die ehrgeizigen klimapolitischen Ziele nicht in Konflikt stehen mit den ökonomischen Zielen von manchen Geldgebern der UN-Konferenz. Dazu gehören etwa Unternehmen wie Air France, der Energiekonzern EDF und Engie, Renault-Nissan und der Ressourcenkonzern Suez.

Zu guter Letzt werden gemäss dem Internationalen Währungsfonds (IWF) fossile Energieträger weltweit mit 5,3 Billionen Dollar subventioniert. Das ist mehr als für den Gesundheitssektor ausgegeben werden. Angesichts dieser Zahlen lassen die Vorschläge der führenden Nationen zur Einschränkung des Klimawandels einen bitteren Nachgeschmack.

Ein Megatrend, der auch die Privatwirtschaft nicht kalt lässt

Welche Entscheidungen in Paris auch gefällt werden, der Klimawandel ist eine Realität, der sich Unternehmen nicht entziehen können. Die damit einhergehenden Entwicklungen werden die Welt von morgen prägen, auch die wirtschaftliche. Es muss deshalb ein Umdenken stattfinden. Wie produzieren wir? Wo beziehen wir Rohstoffe und mit welchen Mitteln? Wie treiben wir in Zukunft nachhaltig Handel? Sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern erfordert der globale Klimawandel eine noch stärkere Orientierung an nachhaltigen Konzepten. Für Unternehmen ist der Klimawandel sowohl Chance als auch Risiko.

COP21: Eine Klimakonferenz, die Geschichte schreiben wird oder auch nicht

Ausgerechnet in Paris, wo regelmässig alarmierend hohe Werte von Feinstaub gemessen werden und Autokolonnen täglich die Strassen verstopfen, soll also endlich ein historischer und verbindlicher Entscheid zu Gunsten des Klimas gefällt werden. Bisher ist es nicht gelungen, eine gemeinsame Lösung zu finden, um Treibhausgasemissionen zu senken – weder mit dem Kyoto-Protokoll 1997, noch an der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Es wird sich also zeigen, ob COP21 tatsächlich die grossen Hoffnungen erfüllt und ein Meilenstein in der Klimapolitik darstellt. Oder ob dieses Jahr das Fazit wieder lauten wird: Viel heisse Luft um nichts.

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