Der E-Commerce Markt – attraktiv, aber hart umkämpft

E-Commerce boomt! Galaxus ist momentan (zumindest mit Commercials) allgegenwärtig, der neue Marketplace von Coop könnte noch im November live gehen und Schuhe und Shirts bestellen wir ja eh schon lange bei Zalando. Ist doch geil, für uns Kunden wird alles noch bequemer, schneller und hoffentlich auch billiger. Bestellungen können wir weiterhin nachmittags im Büro während dem Suppenkoma tätigen und sie am besten noch am selben Abend in Jogginghosen in Empfang nehmen. Obwohl die Vorfreude gemäss Statistiken nach einer Woche meistens höher ist als zum Bestellzeitpunkt, sind die meisten von uns kaum bereit, mehr als drei Tage auf die Bestellung zu warten.

Customer Happiness/Patience Over Time
 
Customer Happiness/Patience Over Time (Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=wJR1DQb2qWU)

Rund 10 Prozent hat der Onlinehandel mit Waren 2014 im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. In einer qualitativen Langzeitstudie der FHNW aus diesem Juni wird erwähnt, dass auch für das Jahr 2015 ein Wachstum und damit eine weitere Verlagerung zu online Kanälen erwartet wird. Im Hinblick auf die nächsten fünf Jahre geht man gar von einem Wachstum von 40 bis 50 Prozent aus. Man muss sich dies einmal vor Augen halten: In Zukunft werden wir jedes zweite paar Socken, jede zweite Tasche, jede zweite Banane, jedes zweite Bier und jedes zweite Taschentuch über online-Anbieter beziehen.

Dementsprechend attraktiv ist der E-Commerce Markt für Unternehmer. Auf den ersten Blick scheint er kaum Eintrittsbarrieren aufzuweisen. Das Ziel der aufstrebenden Entrepreneure ist klar: Möglichst schnell möglichst viele User zu erreichen, zu begeistern und sie an die eigene Plattform zu binden. Ihre Vorbilder sind Alibaba Gründer Jack Ma, die Samwer Brüder von Rocket Internet oder der US-amerikanische Selfmade-Milliardär Michael Rubin – um nur einige zu nennen. Und die Grenzen scheinen noch lange nicht erreicht. Insbesondere Smartphones könnten, sobald Bezahl- und Check-out-Prozesse vereinfacht, schnell und sicher sind, noch einmal zu einem Wachstumsschub beitragen. Auch Michael Rubin, der 2011 GSI Commerce für 2.4 Millionen US-Dollar an eBay verkaufte, sieht noch immer grosses Potential im E-Commerce Markt, wie er im nachfolgenden Videoausschnitt kurz erklärt.

Doch die Frankenstärke und die steigende Anzahl an in- und ausländischen Konkurrenten stellen Schweizer E-Commerce Unternehmen vermehrt vor Herausforderungen. Schweizer Unternehmen sind gezwungen, weiter in die Ausweitung des Angebots und die Verbesserung der Services zu investieren. Investitionen bedeuten aber oftmals auch Wachstum. Wachstum, das nicht jedes junge Unternehmen bewältigen kann. Wachstum, das (unerfahrene) Entrepreneurs vor Probleme stellt. Vor welche Herausforderungen E-Commerce Unternehmen mit schnellem Wachstum beispielsweise gestellt werden, erzählt Paul. Paul erlangte mit gelben und blauen Shirts Weltruhm!

Erfahrung als online Händler konnten die beiden Schweizer Detailriesen Migros und Coop mit ihren Shops coop@home und LeShop bereits sammeln. Vor drei Jahren hat Migros mit Digitec/Galaxus zudem ein Internet-Warenhaus eingekauft. Per Ende 2015 sichert sich die Genossenschaft die Mehrheit von maximal 70 Prozent und wappnet sich damit für die Zukunft im boomenden, aber hart umkämpften E-Commerce Markt. Vergleichsweise spät lanciert nun auch Coop in Zusammenarbeit mit Swisscom einen neuen Marktplatz im Internet. Die Plattform soll ab Januar 2016 sämtlichen Usern zur Verfügung stehen. Diese Ankündigung trug wohl auch zur momentanen Werbeoffensive von Galaxus bei. Denn mit dem rasant wachsenden Start-up Siroop hat Coop grosses vor. Verschiedenen Gerüchten zufolge will man es beispielsweise mit dem Giganten Amazon aufnehmen. Doch ist es nicht bereits zu spät? Hat insbesondere die Swisscom genau wie damals mit dem Messenger iO wieder einen Trend verschlafen und versucht nun verzweifelt, den Anschluss wieder herzustellen? Der Boulevard fragte kurz nach der Ankündigung zynisch, ob denn in Zukunft auch Migros Produkte auf dem Marketplace von Coop angeboten und gekauft werden können.

siroop
Siroop ist noch nicht live

Produkte der Migros erhältlich auf einer Coop Plattform? Irgendwie unvorstellbar. Doch gemäss Jack Ma das Beste, was Coop und Siroop passieren könnte! Denn in Zukunft wird es nicht eine Rolle spielen wie viele Produkte, sondern wie viele verschiedene Produkte man über die Plattform verkaufen kann. Im besten Fall deckt die Plattform sämtliche Kundenbedürfnisse ab, kann jeden Kundenwunsch erfüllen und generiert entsprechend Traffic.

Mit Alibaba schreibt Jack Ma seit längerem (seine ganz persönliche) Erfolgsstory. Das asiatische Unternehmen stellt weder Produkte her, noch verkauft es welche. Alibaba stellt Händlern, anderen Unternehmen und Privatpersonen lediglich die Plattform für den An- und Verkauf zur Verfügung. Ähnlich wie es Coop mit Siroop plant, beziehugsweise planen sollte. Denn was sich genau hinter Siroop verbirgt ist noch immer unklar. Während Coop von einem Marktplatz spricht, kann man sich in der Branche auch durchaus vorstellen, dass Siroop nur für Cross Channel Aktivitäten (Click & Collect) genutzt werden wird.

Was auch immer Coop und Swisscom mit Siroop im Schilde führen, um zu Galaxus aufzuschliessen, muss die Umsetzung gelingen. Denn angesichts der aufstrebenden Konkurrenz aus dem In- und Ausland, wird es nicht ausreichen, Siroop zu launchen, auf Nutzer zu hoffen und sich auf die eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen zu konzentrieren.

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