In einem Land ohne Starbucks…

Während sich die Anzahl von Starbucks-Coffeeshops in Europa in den letzten sieben Jahre fast verdoppelt hat, gibt es am anderen Ende der Welt ein Land ohne Pumpkin Spice Latte und Espresso Frappuccino Light Blended Coffee.

In Europa und den USA klagt man schon lange über die Gleichförmigkeit der Innenstädte. Wer heutzutage ein Shopping Center betritt, kann anhand der angebotenen Marken kaum unterscheiden, ob er sich in Bangkok, Paris oder New York befindet. Doch es gibt ein kleines Land, das dieser Entwicklung Widerstand leistet: In Laos gibt es weder H&M noch McDonalds, kein Louis Vuitton und auch kein Starbucks.

Das liegt an der politischen Situation – Laos ist eines der wenigen verbliebenen kommunistischen Länder – und daran, dass Laos keinen großen Absatzmarkt bedeutet: Es ist eines der am wenigsten entwickelten Länder, ein Drittel der Bevölkerung lebt von weniger als einem Dollar am Tag. Die Analphabetenrate liegt bei 32%, 75% der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft.

Laos bietet somit keine guten Voraussetzungen, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzuziehen. Trotzdem existieren einige Beispiele. Sie zeigen, dass Laos in einer Branche Potential besitzt, die man eher mit Brasilien oder Vietnam verbindet – im Kaffee-Export.

Sinouk Coffee: Kaffee vom Bolavenplateau
Sinouk Sisombat war erfolgreicher Unternehmer und Politiker in Laos. Obwohl er gute Kontakte zu den kommunistischen Rebellen von Pathet Lao hatte, floh er nach Paris, als diese 1975 die Macht übernahmen. Doch auf Bitten des Leiters des Widerstandes und späteren Präsidenten von Laos kehrte er zurück.

Sein Sohn Eric, in Frankreich ausgebildet und aufgewachsen, begleitete ihn und begann 1994, im Kaffeehandel tätig zu werden. Für ihn war es wichtig ein Produkt herzustellen, das man exportieren kann. Es sollte aus seiner Region stammen und „nahe an der laotischen Bevölkerung“ sein. Seiner Meinung nach könnte Kaffee das „flagship product“ von Laos werden.

(Da das Video auf Französisch ist, werden wichtige Aussagen im Text wiederholt.)

„Seine Region“ ist das Bolavenplateau, das sich im Süden von Laos befindet und eine Hochebene mit 500 Quadratkilometern auf 600-1300 Meter ü.N.N. bildet. Der Kaffeehandel wurde in den 1920er Jahren von den Franzosen begonnen. In diesem Gebiet werden heute 95% des laotischen Kaffees angebaut, der momentan circa 0,25% des weltweiten Markes für Kaffee ausmacht.

1997 baute Sinouk seine eigene Plantage, die heute Touristen die Möglichkeiten zum Übernachten bietet. 2009 erhielt das Unternehmen das Bio-Siegel, gültig für Laos, Thailand und die EU. 70% des Sinouk-Kaffees werden in die EU exportiert. Sinouk betreibt neben der Plantage noch sechs Cafés in der Haupstadt Vientiane und in Paksé. Er ist Vorstand der Lao Coffee Association, die bereits 1994 gegründet wurde.

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Kaffeeanbau in Laos
Im Moment ist Kaffee bereits eines der wichtigsten Exportprodukte, rund 30% der Exporterlöse stammen aus dem Kaffeeverkauf – und das Potential ist riesig. Im Moment wird noch hauptsächlich Robusta-Kaffee angebaut, der auf dem Weltmarkt einen niedrigeren Preis erzielt.

Doch Laos bietet exzellente Anbaubedingungen für den sensibleren (und teureren) Arabica-Kaffee. Der rote Boden ist vulkanisch und damit reich an Mineralien. Das kühle und feuchte Klima sowie die hohe Lage des Bolavenplateaus eignen sich ebenfalls perfekt zum Arabica-Anbau.
An der Entwicklung des Nachbarlands Vietnam lässt sich vielleicht abschätzen, wieviel Potential Laos besitzt: Dort wird heute hundertmal mehr Kaffee angebaut als vor dreißig Jahren.

Über grosse Plattformen wie die Expo 2015 in Mailand wird laotischer Kaffee nun auch in Europa bekannt:

Die laotische Regierung promotet ihren Kaffee nicht nur auf der Expo, sondern fördert den Anbau auch vor Ort: Erstens, weil sich die Anbauregionen durch die geschaffenen Arbeitsplätze besser entwickeln als andere Teile des Landes. Zweitens, weil Kaffee (und auch Tee) willkommene Alternativen zum jahrelang intensiv betriebenen Opiumanbau sind. Und drittens, weil der Kaffeeanbau auch für die Tourismusbranche grosse Chancen und Einnahmequellen bietet. Touristen können Touren zu den Kaffee-Plantagen buchen und dort Kaffee und andere lokale Produkte kaufen. Auf der Sinouk Plantage kann man übernachten und einige Tage verbringen, und auch kleinere Plantagen und Produzenten bieten Homestay-Möglichkeiten an. So können Besucher aus der ganzen Welt den laotischen Kaffee und seine Anbaubedingungen kennenlernen und fördern gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Kaffee als Entwicklungshilfe für eines der ärmsten Länder der Welt. Vielleicht ein Grund mehr darauf zu achten, woher der Kaffee kommt, den wir trinken.

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